Zum Inhalt springen
Moonlit bedroom with a storybook ready for reading
Alle Beispielgeschichten

9–12 Jahre

Ben und die stille Signalstation

Ben entdeckt ein blinkendes Licht am alten Bahnhof. Statt einer großen Gefahr findet er eine kleine, wichtige Aufgabe.

7 Minuten Lesezeit

Ben mit Notizbuch vor einer alten Signalstation unter einem klaren Nachthimmel
Ben hatte sein Notizbuch dabei, obwohl er nur mit dem Skateboard zum Hügel wollte. Er schrieb gern Dinge auf, die andere übersehen hatten: Wolkenformen, Busnummern, Sterne, die nur kurz zwischen den Dächern zu sehen waren. Am Rand des alten Bahnhofs stand eine Signalstation. Sie war längst geschlossen. Der Zaun war hoch, das Tor verriegelt. Aber oben am Gebäude blinkte ein kleines rotes Licht. Einmal. Pause. Zweimal. Pause. Einmal. Ben setzte sich auf eine Bank und schrieb die Reihenfolge auf. Neben ihm stellte seine Freundin Mara ihren Helm ab. „Vielleicht ist die Batterie leer“, sagte sie. „Dann würde es nicht so ordentlich blinken“, sagte Ben. Sie blieben auf dem sicheren Weg vor dem Zaun. Nach einer Weile sah Ben auf der anderen Seite des Hügels einen Taschenlampenkegel. Jemand ging dort langsam, aber der Weg führte nahe an einer alten Kante vorbei. „Das Licht zeigt vielleicht keine Buchstaben“, sagte Ben. „Vielleicht zeigt es Schritte.“ Mara schaute auf das Notizbuch. Einmal, Pause, zweimal, Pause, einmal. „Ein kleiner Umweg?“, fragte sie. Da kam Herr Vale vom Rathaus den Weg herauf. Er trug einen Werkzeugkoffer und sah erleichtert aus, als Ben und Mara ihn ansprachen. „Das Signal sollte eigentlich ausgeschaltet sein“, sagte Herr Vale. „Der Weg dahinter wird gerade repariert.“ Ben zeigte ihm die Notizen. Herr Vale sah hinauf, dann auf den Taschenlampenkegel. „Das alte Gerät markiert die sichere Route für die Wartung“, sagte er nachdenklich. „Der Sturm hat es wohl wieder eingeschaltet.“ Er ging mit seinem Schlüssel zum Tor. Ben und Mara warteten draußen. Nach wenigen Minuten stellte Herr Vale das Signal so ein, dass es lange und eindeutig zum beleuchteten Fußweg zeigte. Dann hängte er ein neues Schild an den Zaun. „Gut beobachtet“, sagte er zu Ben. „Manchmal ist ein kleines Zeichen nur dann nützlich, wenn jemand es wirklich prüft.“ Auf dem Heimweg trug Ben sein Skateboard unter dem Arm. Er musste nicht wissen, wie alle Signale der Welt funktionierten. Es reichte, dass er heute eines sorgfältig angesehen hatte. Im Bett dachte er noch einmal an das ruhige rote Blinken. Draußen war die Nacht groß und dunkel, aber nicht leer. Ben schlief mit dem guten Gefühl ein, dass man auch bei kleinen Dingen aufmerksam sein durfte.