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6–8 Jahre

Maya und die Karte der kleinen Lichter

Maya entdeckt, dass eine gute Karte nicht nur die großen Wege kennt. Sie bemerkt auch die kleinen Lichter am Rand.

6 Minuten Lesezeit

Maya und ihr kleiner Messingroboter folgen sieben Lichtern durch einen Park bei Mondschein
Maya hatte fast immer einen Bleistift hinter dem Ohr. Man wusste nie, wann eine Karte gebraucht wurde. Am Abend des Laternenwegs saß sie am Küchentisch und zeichnete den Park. Auf dem Papier lagen der Teich, die Brücke und der Musikpavillon. Ihr kleiner Roboter Piko rollte neben dem Blatt hin und her. „Die Bank fehlt“, sagte er. „Die Bank gehört nicht zur Strecke“, sagte Maya. „Sie gehört zum Park. Gute Karten wissen den Unterschied.“ Maya musste lachen und zeichnete die Bank ein. Später gingen viele Kinder mit ihren Familien durch den Park. Einige trugen Papierlaternen. Piko saß in Mayas Manteltasche. Nur seine runden Messingaugen und die kleine Antenne schauten heraus. Sie gingen am Teich vorbei. Maya prüfte ihre Karte. Teich. Stimmt. Brücke. Stimmt. Dann kam Wind durch die Bäume. Zwei Laternen gingen aus. Vor ihnen lag ein dicker Ast auf dem Weg, und die Erwachsenen wählten einen kurzen Umweg. Plötzlich passte Mayas Karte nicht mehr. „Wir können den anderen schnell nachgehen“, flüsterte Piko. Maya hörte die Stimmen der Gruppe, aber sie klangen weit weg. Ihr erster Gedanke war: schneller laufen. Ihr zweiter Gedanke war besser. „Nein“, sagte sie. „Erst finden wir heraus, wo wir sind.“ Pikos Antenne leuchtete warm auf. „Eine Kartenmacherin spricht sehr vernünftig.“ Maya faltete ihr Blatt unter einer Laterne auf. Links stand eine niedrige Steinmauer. Vor ihnen war ein Tor mit einem sternförmigen Loch. Rechts leuchteten kleine Solarlichter dicht über dem Boden. „Das alles ist nicht auf meiner Karte“, sagte Maya. „Dann ist sie noch nicht fertig“, sagte Piko. Das gefiel Maya zuerst nicht. Sie hatte lange daran gearbeitet. Dann nahm sie ihren Bleistift heraus. Steinmauer. Sterntor. Kleine Lichter. Als die Wörter auf dem Papier standen, fühlte sie sich ruhiger. Der Park war nicht falsch geworden. Sie hatte einfach neue Dinge entdeckt. Ein jüngeres Kind mit einer dunklen Laterne stand neben ihr. „Haben wir uns verlaufen?“, fragte es. „Nicht ganz“, sagte Maya. „Wir zeichnen gerade einen neuen Teil der Karte. Kannst du die kleinen Lichter zählen?“ Es waren sieben. Beim siebten Licht bog der Weg an einer Hecke ab. Ganz leise hörte Maya die Glocke am Pavillon. „Dort entlang“, sagte sie. Sie gingen langsam zusammen um die Biegung. Dahinter standen die anderen am Pavillon und zündeten die Laternen wieder an. Mayas Mutter lächelte. „Da seid ihr ja. Wir mussten den Seitenweg nehmen.“ „Ich weiß“, sagte Maya. „Dort gibt es eine Steinmauer, ein Sterntor und sieben kleine Lichter.“ Piko machte ein zufriedenes Klicken. Zu Hause legte Maya die Karte auf ihren Schreibtisch. Den neuen Weg zeichnete sie als gepunktete Linie ein. Daneben malte sie sieben kleine Sterne. Oben schrieb sie: DIE KARTE DER KLEINEN LICHTER. „Du hast keine falsche Karte gemacht“, sagte Piko. „Du hast eine erste Karte gemacht.“ Maya fand, das war ein wichtiger Unterschied. Sie steckte den Bleistift wieder hinter ihr Ohr, löschte die Lampe und kuschelte sich ins Bett. Draußen gab es noch viele kleine Lichter. Sie musste sie nicht alle zählen. Es genügte zu wissen, dass sie da waren.